Für die ganz Kleinen

Seit über 20 Jahren gibt es die Spielgruppe an der Waldkirche (bisher unter dem Namen Mutter-Kind-Initiative bekannt) unter Leitung von Kerstin Große. Sie betreut in kleinen Gruppen Kinder ab ca. 2 Jahren. Die Buchungszeiten können individuell gewählt werden.

Die Öffnungszeiten sind:
Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr
Dienstag bis Donnerstag von 15 Uhr bis 18 Uhr

Frau Große informiert Sie gerne über Aufnahmemöglichkeiten und Kosten und beantwortet Ihre sonstigen Fragen.

Artikel aus dem Gemeindebrief anläßlich des 20-jährigen Bestehens der Mutter-Kind-Initiative.
Von Stefanie Zysk:

Man sieht die kleine Gruppe schon von weitem zwischen den Bäumen, die um die Waldkirche stehen – ein großer Mensch und einige kleine. Ab halb neun erforschen sie gemeinsam den Wald und das bei jedem Wetter: nicht nur an einem frischen Sommermorgen, auch wenn es regnet, schneit oder stürmt. Es ist Frau Große mit den Kindern der Waldkirche. Es gibt wohl kaum einen Kindergarten, dessen Spielbereich so romantisch liegt. Kleine Wege ziehen sich durch den Wald um die Kirche, wo es sich herrlich verstecken lässt. Im Frühjahr brüten Buntspechte in zahlreichen Baumhöhlen. Im Herbst raschelt das herabgefallene Laub unter den Füssen. Überall finden die Kinder wunderschöne Steine und prächtige abgebrochene Äste – Trophäen, die nach und nach mit nach Hause genommen werden. Auch Weinbergschnecken lieben das Unterholz dort und werden mit Freuden eingesammelt und beobachtet. So mancher glitschige Gefährte hat schon eine Karriere als gehütetes Haustier gemacht. Die Kinder bewegen sich frei, doch steht man neben Frau Große, hört man immer wieder ein leises Zählen: eins, zwei, drei … sechs. Alle da! Sie hat ihre Schützlinge im Blick, weiß die Richtung des Spiels zu lenken ohne zu bevormunden.

Die Kirchenglocken läuten zur Brotzeit. Frisch gestärkt wird dann im Spielzimmer passend zur Jahreszeit gebastelt, gesungen und gemalt, immer wieder im Wechsel mit freiem Spiel. Die Kinder sollen sich ungezwungen fühlen, auch wenn Frau Große alles sieht. Sie können selbstständig ihren Zeitvertreib wählen. Dennoch bleibt die Atmosphäre angenehm ruhig, kein wildes Gerenne, kein Geschrei. Zwischendurch hört man manchmal die Frage, wann die Mama kommt. Diese beantwortet Frau Große mit viel Geschick und zur Zufriedenheit aller Seiten – auch der der Kinder. Von Frau Großes jahrelanger Erfahrung hat wohl so manche Mutter profitiert. Wenn die Kleinen uns mit ihren Marotten bis zur Verzweiflung bringen oder man das Gefühl hat, jegliche Erziehung sei im Nichts verpufft, waren Frau Großes Ratschläge immer hilfreich, nie belehrend. Oft hat man sein eigenes Kind nach einem Gespräch mit ihr von einer anderen Seite gesehen, neue Möglichkeiten entdeckt.

Doch auch Frau Großes Mann, der „Herr Frau-Große“, wie die Kleinen ihn nennen, ist für die Kinder fest mit der Waldkirche verbunden. Mit bewundernswerter Geduld dürfen sie bei allen Arbeiten „mithelfen“. Laub rechen, Schnee räumen, Herr Große freut sich immer über die Unterstützung, die meist keine ist oder sogar Mehrarbeit bedeutet. Und auch bei ganz besonderen Momenten sind die Kinder dabei, wenn zum Beispiel der große Adventskranz ins Kirchenschiff hinaufgezogen oder der Weihnachtsbaum in der Waldkirche aufgestellt und geschmückt wird. Wohl nie wieder im Leben werden sie so ungehemmt um den Altar tanzen und lauthals schmettern: „Gottes Liebe ist so wunderbar!“

Beim Sommerfest dürfen Eltern und Kinder dann gemeinsam mit Pfarrer Hoffmann den Glockenturm der Waldkirche besteigen. Wer mutig ist kann sogar selbst den Schlägel an die Glocken schlagen, um die wohlbekannten Klänge zu erzeugen. Den Blick von der Kirchturmspitze über die Wälder des Würmtals auf die Alpenkette würde so mancher gerne öfter genießen. Aber noch eine Besonderheit gibt es oben im Glockenturm, denn jedes Jahr brütet dort ein Falkenpaar seine Jungen aus. Für die interessierten Kinder macht Frau Große diese Greifvogelbeobachtung aus nächster Nähe möglich - ein unvergessenes Erlebnis, auch für einen Erwachsenen.

Zu schnell vergeht die Zeit in der Mutter-Kind-Initiative der Waldkirche und irgendwann sind auch alle nachkommenden Geschwisterkinder reif für den „großen“ Kindergarten. Doch auch in nachfolgenden Jahren besuchen die vielen Kinder Frau Große immer noch gern in der Waldkirche. Auch wir denken immer, wenn wir an der Waldkirche vorbeikommen, an die wunderbare Zeit. Die Worte meines Sohnes kommen ins Gedächtnis zurück: „Ich möchte auch wohnen wie Frau Große. Sie hat so einen schönen Wald.“ Kürzlich las ich einen Satz des italienischen Schriftstellers Alberto Savinio, der die Vermutung äußerte: „… der Wald der Kindheit und das verlorene Paradies seien ein und dasselbe.“ Man möchte beinahe meinen auch Savinio hat als Kind bei Frau Große in der Waldkirche gespielt. Ich bin mir sicher, dass die Erinnerung an diese frühen ungezwungenen Zeiten meine Kinder immer begleiten werden, Erinnerungen an ihre Kindheit.